Zu wenig Punkte

"Ein Viertel der Saison ist vorbei": Club-Keeper Mathenia schlägt Alarm

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

E-Mail zur Autorenseite

21.9.2022, 05:53 Uhr
Auch wenn er hier entschlossen zupackt: Die 0:2-Niederlage in Darmstadt konnte Christian Mathenia nicht verhindern.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Auch wenn er hier entschlossen zupackt: Die 0:2-Niederlage in Darmstadt konnte Christian Mathenia nicht verhindern.

Den freundlichen Hinweis, dass er da am Samstag ein kleines Arbeitsjubiläum hatte feiern dürfen, nahm Christian Mathenia eher amüsiert zur Kenntnis. „Echt? Wusste ich gar nicht“, staunte der Schlussmann, nachdem er beim 0:2 in Darmstadt zum 100. Mal für den 1. FC Nürnberg in der Zweiten Liga das Tor gehütet hatte.

Einen besonderen Platz im Erinnerungsalbum wird dieses 100. Spiel kaum bekommen. „Von der alten Wirkungsstätte mit einer Niederlage heimzufahren, ist natürlich sehr enttäuschend“, gestand Mathenia, zumal auch er gehofft hatte, „dass wir jetzt ein Stückweit in einen Flow kommen und die vielbeschworene Konstanz reinbringen“.

Von einem Flow war im Stadion am Böllenfalltor freilich wenig zu spüren. Einmal mehr gelang es der Mannschaft nicht, aus einem positiven Erlebnis wie dem emotionalen Last-Minute-Sieg gegen Arminia Bielefeld (1:0) Schwung und Selbstvertrauen mitzunehmen. Warum das so ist, vermag auch Mathenia nicht wirklich zu erklären. „Jedes Spiel ist eben anders“, sagt der 30-Jährige schulterzuckend: „Darmstadt hat das gut gemacht und uns viel den Ball überlassen. Man hat schon gemerkt, dass da eine reifere Mannschaft auf dem Platz stand, als wir es sind. Sie haben es mit relativ geringem Aufwand geschafft, uns nicht in Tornähe kommen zu lassen.“

Zu wenig Torgefahr

Die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive empfindet Mathenia derzeit als ein Kernproblem. „Spielerisch sind wir durchaus in der Lage, bis zum Sechzehner zu kommen, aber dann hört es meistens auf. Wir spielen um den Strafraum herum und kreieren wenig Torgefahr. Mein Kollege musste keinen einzigen Ball halten, das sagt viel über unser Spiel aus“, klagt der Keeper. Gerade wenn der Gegner ein bisschen tiefer steht, würde er sich deshalb wünschen, „dass wir mal aus der zweiten Reihe auf die Kiste hauen“.

Mathenia selbst spielt mit Ausnahme eines gebrauchten Tags in Braunschweig (2:4) eine solide Saison. Und vielleicht hatte er die statistische Randnotiz in Darmstadt unbewusst ja auch ein bisschen verdrängt, weil sie zum einen zwar für persönliche Kontinuität und Verlässlichkeit steht, aber eben auch für das prinzipielle Dilemma des 1. FCN, der seit mittlerweile vier Jahren in der 2. Liga feststeckt. Nicht nur der 2018 vom Hamburger SV gekommene Routinier dürfte bei seiner langfristigen Vertragsverlängerung nach dem Abstieg darauf gehofft haben, dem Club irgendwann schon auch wieder ein Erstliga-Torwart sein zu dürfen. Danach sieht es aktuell eher nicht aus.

„Auch wenn in der Tabelle alles noch sehr eng beieinander liegt – Fakt ist, dass ein Viertel der Saison vorbei ist“, mahnt Mathenia, „es wird Zeit, dass wir regelmäßig Punkte holen.“ Und zwar am besten direkt nach der Länderspielpause, die nicht nur zum Kräftesammeln dienen soll. „Man hat gesehen, dass wir ein paar Probleme haben, das müssen wir klipp und klar ansprechen und angehen.“

Den Club im Herzen

Die Lust auf den Club hat Mathenia trotz aller Stagnation noch nicht verloren, nach über vier Jahren identifiziert sich der gebürtige Mainzer längst mit dem Verein und auch der Stadt, in der seine beiden Töchter geboren sind: „Ich fahre wirklich jeden Tag gern zum Valznerweiher und kann mir im Moment nichts anderes vorstellen, als hier zu spielen.“ Auch wenn Jubiläen bis auf weiteres wohl nur in der Zweiten Liga fällig werden dürften.

Verwandte Themen


60 Kommentare