Nachwuchsleistungszentrum

Physiotherapeutin Anika Monatzetter: Aus der Bezirksliga zum Kleeblatt

Dominik Mayer
Dominik Mayer

E-Mail

29.11.2021, 17:48 Uhr

© Foto: FV Dttenheim

Eine Begegnung mit Anika Monatzetter kann schmerzhaft sein. Dabei sieht sie gar nicht so furchteinflößend aus. Lange, dunkelblonde Haare, nicht übermäßig groß, eine ganz normale junge Frau eben. In ihren Händen aber stecken ungeahnte Kräfte. Einer, der das bestätigen kann, ist Martin Huber, Trainer des FV Dittenheim. "Während eines Testspiels in Wettelsheim hatte ich mal Probleme im Oberarm und im Ellenbogen. Da hat sie mich dann direkt an der Seitenlinie massiert – und ich musste immer wieder schreien", berichtet er.

Mehr als sechs Jahre hat sich Monatzetter als Physiotherapeutin um den FV gekümmert. Vor ein paar Tagen hat der Verein sie verabschiedet. Weil sie Anfang November eine Stelle im Nachwuchsleistungszentrum der SpVgg Greuther Fürth angetreten hat.

Hauptsache Sport

Dass "Ani", wie sie in Dittenheim alle nennen, überhaupt Physiotherapeutin geworden ist, daran ist ihre Mutter schuld. Mehrmals war diese nach Operationen in physiotherapeutischer Behandlung, die kleine Anika schaute den Krankengymnasten aufmerksam zu. Nach der Mittleren Reife machte sie die Ausbildung zur Physiotherapeutin.

"Ich habe als Jugendliche beim FC Frickenfelden Fußball gespielt, deswegen wollte ich später auch beruflich etwas mit Sport zu tun haben", sagt die 26-Jährige. Bei Klaus Eder, dem langjährigen Physio der deutschen Fußballnationalmannschaft, hat sie sich inzwischen zur Sport-Physiotherapeutin weitergebildet.

Dass sie 2015 beim FV Dittenheim anfängt, ist einem Zufall geschuldet. "Ich habe damals Torwart André Ballenberger beim Feiern getroffen. Dittenheim ist da gerade in die Bezirksliga aufgestiegen. Und da habe ich ihm gesagt, dass sie jetzt doch einen Physiotherapeuten brauchen", erzählt sie. Eine Idee, die ankommt beim FV.

Schnell wird sie zur wichtigsten Anlaufstelle für die Spieler bei kleinen Wehwehchen und größeren Verletzungen. Wenn es um medizinische Belange geht, hat sie das Sagen. "Ich entscheide, wer spielen kann und wer nicht", sagt Monatzetter. Da hilft alles Lamentieren nichts. "Sie macht ganz eindeutige Ansagen", berichtet Trainer Huber, der diese Klarheit schätzt. "Sie war die perfekte Ergänzung zum Trainerstab." Monatzetter prüft genau, ob er ein Spieler wieder bereit ist für den Wettkampf oder nicht. "Man muss schauen, ob noch Schmerzen da sind und es gibt auch spezielle Tests für unterschiedliche Verletzungen. Außerdem sollte der Spieler mindestens einmal voll mittrainiert haben, praktisch als Belastungstest", sagt sie.

Wellness gibt es woanders

Wenn Ani sagt, dass einer nicht spielen kann, dann akzeptieren sie das in Dittenheim. Ihre Kompetenz steht außer Frage. "Sie ist über die Jahre sehr sicher geworden in ihren Einschätzungen", berichtet Top-Stürmer Philipp Unöder. Der 30-Jährige hatte vor allem zwischen 2017 und 2019 mit diversen Verletzungen zu kämpfen. Entsprechend viel Zeit hat er mit Monatzetter verbracht. Das ist nicht immer angenehm, Monatzetter schont ihre Spieler nicht.

© Foto: Markus Ludwig/ SpVgg Greuther Fürth

Muss so sein, sonst bringt es ja nichts, sagt sie. Sie begreift ihren Beruf streng medizinisch, Wellness gibt es woanders. Das weiß auch Unöder. "Ich finde es aber trotzdem ganz gut, dass die bei Fortbildungen sich auch mal gegenseitig behandeln. So wissen die wenigstens, welche Qualen wir erleiden müssen", sagt er lachend. Und betont, dass Ani auch eine weiche Seite hat: "Sie ist sehr fürsorglich, sie fragt immer nach, wie es einem geht."

Auch deswegen sind sie traurig in Dittenheim, dass Monatzetter nun geht. Obwohl es ihr jeder gönnt, dass sie jetzt bei einem Profi-Klub arbeiten darf. Bei der SpVgg Greuther Fürth hat sie eine Halbtagsstelle angetreten. Parallel arbeitet sie weiter in der Pfofelder Praxis von Theresa Heid – der Frau von Andreas Heid, Trainer des Kreisklassisten SG Pfofeld/Theilenhofen.

Glücklich in Fürth

Mit dem Engagement bei einem Profi-Verein geht ein Traum in Erfüllung. 2018 hat sie eine Initiativbewerbung an die Spielvereinigung geschickt, ein paar Wochen später war sie zum Probearbeiten in Fürth. Damals gab es aber keine freie Stelle beim Kleeblatt, Anfang 2020 änderte sich das. Auf Minijob-Basis half sie zunächst bei der Betreuung der U16 und der U19. Seit kurzem ist sie fester Teil der medizinischen Abteilung im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Erstligisten.

"Das ist toll, das Team hier ist interdisziplinär zusammengesetzt, mit Athletiktrainern, Ärzten und Physiotherapeuten. Da kann ich auf jeden Fall noch was dazu lernen", schwärmt Monatzetter. Hauptsächlich kümmert sie sich um die U19, die in der Junioren-Bundesliga spielt. An den Wochenenden reist sie mit der Mannschaft durch ganz Deutschland. Und auch zum NLZ nach Fürth, wo sie unter der Woche verhärtete Muskeln lockert und verletzte Spieler auf ihre Rückkehr auf den Platz vorbereitet, fährt sie aus Dittenheim eine knappe Stunde. "Das ist es mir wert", sagt Monatzetter. Die Fürther Jungs hat sie schon ins Herz geschlossen. "Die sind locker und nett, aber trotzdem auch schon professionell. Die wissen, wo sie mal hin wollen." Und falls doch mal einer übermütig werden sollte, weiß sie ja, wie man kräftig zupackt.

Keine Kommentare