Intensive Wochen

Stress und Wetterkapriolen: Kitesurfer Florian Gruber kämpft mit dem Wind

Dominik Mayer
Dominik Mayer

E-Mail

8.1.2022, 08:39 Uhr
Auf den Kanaren war es – der Frisur Florian Grubers ist es anzusehen – zeitweise ziemlich windig.

Auf den Kanaren war es – der Frisur Florian Grubers ist es anzusehen – zeitweise ziemlich windig. © Foto: Alex Schwarz

Man erreicht Florian Gruber dort, wo es in diesen Tagen vielleicht am schönsten ist: in den bayerischen Alpen. Der Kitesurfer, der mal in Muhr am See, mal in Garmisch-Partenkirchen und sonst an allen nur denkbaren Küstenabschnitten dieser Welt zuhause ist, weilt dieser Tage bei seiner Familie in unweit der Zugspitze. Den Schnee, die Ruhe, das weihnachtliche Flair, das die Alpen zum Jahresende umweht, all das hat der 27-Jährige in den vergangenen zwei Wochen genossen.

Weil Gruber aber Leistungssportler ist und ohnehin einen unstillbaren Bewegungsdrang besitzt, bedeutet "genießen" für ihn nicht, tagelang mit dem Plätzchenteller in Griffweite im Ohrensessel zu sitzen. Viele Stunden um den Jahreswechsel hat er auf Skiern und auf dem Snowboard verbracht. Und auf Schlittschuhen, natürlich. Seit seiner Kindheit spielt er Eishockey, als Jugendlicher zusammen mit Ice-Tigers-Verteidiger Marcus Weber beim Traditionsklub SC Riessersee. Wenn Gruber mal nicht auf seinem Kiteboard steht, kämpft er mit dem EV Mittenwald um Punkte in der Bezirksliga. "Am 2. Januar hatten wir Derby gegen den ESV Bad Bayersoien. Wir haben 10:3 gewonnen, ich habe das zehnte Tor geschossen", berichtet er nicht ohne Stolz.

Zehn Tage Zeit, kaum Training

Die Tage in Garmisch sind ein willkommener Kontrast zu den stressigen Wochen, die hinter ihm liegen. Einsätze als Coach, zwei Wettkämpfe, Besuche bei Sponsoren – sieben Wochen am Stück war Gruber vor Weihnachten in aller Welt unterwegs. Die längste Zeit davon auf den Kanaren. Dort unterstützte er zunächst eine finnische Kitesurferin dabei, international konkurrenzfähig zu werden. Anschließend stand auf Fuerteventura ein Trainingslager mit dem deutschen Team auf dem Programm. "Da hatten wir leider keine gute Windausbeute", klagt er. "Im Prinzip war es dann gar nicht so viel Training, obwohl das Trainingslager zehn Tage gedauert hat." Kitesurfen ist ein Sport, der wie kaum ein anderer vom Wetter beeinflusst, geprägt und ermöglicht wird. Kein Wind, kein Kitesurfen.

Das mit dem Wind änderte sich zwar bis zum Weltcup-Rennen, Grubers Laune besserte sich dadurch aber nicht nennenswert: "Wir hatten während des Events teilweise Starkwind, was wir in der Vorbereitung gar nicht hatten. Das ist natürlich nicht optimal." Am Ende reicht es für ihn dennoch zu Platz sieben. Auch beim folgenden Rennen auf Gran Canaria fährt er unter die besten Zehn.

Obwohl auch hier der Wind das Meer in Wallung bringt und sich die Athleten durch starken Wellengang und weiße, salzige Gischt kämpfen müssen. Bedingungen, die Gruber nicht liegen, schon gar nicht nach Trainingstagen, die von Flaute und Trockenübungen geprägt waren. "Das ist schon ärgerlich, wenn man so lange weg ist von Zuhause", sagt er. Nach den, nun ja, durchwachsenen Wochen auf den Kanaren sorgte der Termin bei Sponsor Volkswagen in Hannover wieder für bessere Stimmung. Dort durfte sich der achtfache Kitesurf-Weltmeister seinen neuen VW-Bus abholen.

Corona verhindert WM in China

Den steuerte er anschließend direkt zum Flughafen der niedersächsischen Landeshauptstadt. Die Organisatoren der Jugend-Weltmeisterschaft hatten Gruber in den Oman eingeladen. Am arabischen Meer sollte er seine Erfahrung an die Nachwuchs-Athleten weitergeben. "Viele Coachings spielen sich im technischen Bereich ab. Mir macht das Spaß und es ist auch eine gute Einnahmequelle." Wer mit Gruber trainieren und mit ihm an Details feilen will, kann ihn buchen. Für Geld, das ihm die ein oder andere der Reisen ermöglicht, die in diesem Sport so unverzichtbar sind.

Schon diesen Monat wird Gruber nach Lanzarote fliegen, um sich mit Coach Chris Rashley – ein ehemaliger Vize-Weltmeister im Segeln – auf die Rennevents des Jahres 2022 vorzubereiten. Dabei steht der Termin für den Saisonhöhepunkt, die Weltmeisterschaft, noch gar nicht fest. Eigentlich hätte die WM in China stattfinden sollen, die äußerst restriktive Corona-Politik der Volksrepublik und die langen Quaratänezeiten haben die Organisatoren aber umdenken lassen. Denkbar ist, die Veranstaltung, wie schon 2021, auf Sardinien stattfinden zu lassen. Damals wurde Gruber Achter.

Egal wo, er wird auf jeden Fall wieder dabei sein. Ein bisschen öfter als vergangenes Jahr unter die ersten Fünf zu fahren, das hat er sich als Ziel gesetzt. Auch um sicher starten zu dürfen, bei den Olympischen Spielen im Jahr 2024. Die finden in Paris statt. Berge gibt es da zwar keine, schön ist es aber trotzdem.

Keine Kommentare