Trotz Aufholjagd

Erste Niederlage seit Oktober: Kleeblatt verliert Spitzenspiel beim FC St. Pauli 2:3

Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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3.2.2024, 14:56 Uhr
Das gibt's doch nicht: Das Kleeblatt verliert erstmals seit Oktober wieder. Natürlich in Hamburg.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Das gibt's doch nicht: Das Kleeblatt verliert erstmals seit Oktober wieder. Natürlich in Hamburg.

Wie gut der FC Sankt Pauli ist, sieht man nicht nur an der Tabelle der zweiten Bundesliga. Mit 39 Punkten stehen die Kiezkicker in dieser ja ganz oben, was auch daran liegt, dass sie nach 19 Spieltagen noch immer nicht verloren und bislang erst 16 Tore kassiert haben. Es ist die logische Folge einer Entwicklung, die bereits vor einem Jahr unter dem jungen Trainer Fabian Hürzeler begann, der mit seiner Mannschaft zuletzt im April 2023 verloren hat - blöderweise das Hamburger Derby beim HSV.

Wem man auch zuhört, gefühlt jeder schwärmt vom Spiel und der Entwicklung des FCSP, der dem Aufstieg mit großen Schritten entgegenstrebt und saisonübergreifend bereits seit 24 Spielen ungeschlagen ist. Am Samstagnachmittag setzte der Tabellenführer seine beeindruckende Serie auch im Spitzenspiel gegen das Kleeblatt fort. Beim 3:2 holten die Fürther zwar einen zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand auf, gaben das 2:2 aber in der Schlussphase noch aus der Hand und verloren so erstmals seit Oktober wieder.

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Nach dem 2:1 gegen Kiel und dem damit verbundenen Sprung auf den zweiten Tabellenplatz vertraute Alexander Zorniger denselben elf Spielern wie vergangenen Sonntag. Doch vom Selbstvertrauen nach dem erfolgreichen Start ins Fußballjahr 2024 war mit dem Anpfiff nichts mehr zu sehen. Bereits nach zehn Sekunden holte Sankt Pauli die erste Ecke heraus, nach nicht einmal einer Minute kam Hauke Wahl vollkommen frei aus fünf Metern zum Kopfball, brachte den Ball aber nicht über die Linie.

Doch diese erste Warnung weckte das Kleeblatt nicht auf. In der dritten Minute köpfte Oladapo Afolayan nach einer Flanke von Aljoscha Kemlein an die Latte, auch in der Folge nichts davon zu sehen, dass der FCSP am Dienstag ein anstrengendes und ernüchterndes Pokalspiel gegen Fortuna Düsseldorf erlebt hatte. Der Tabellenführer dominierte das Geschehen nach Belieben und ließ den Ball und die Fürther laufen - bis Gideon Jung Tim Lemperle schickte, der immerhin erstmals aufs Hamburger Tor schoss (12.).

Direkt danach flogen aus Protest gegen den geplanten DFL-Investor erneut Schokomünzen aus dem Gästeblock, beide Fanszenen stimmten laute Gesänge gegen die Deutsche Fußball Liga an. Doch Schiedsrichter Florian Exner unterbrach das Spiel diesmal nicht - obwohl sich das mancher Fürther auch auf dem Rasen gerne gewünscht hätte. So ging die Drangphase des FCSP einfach weiter: Im Mittelfeld ging alles etwas zu schnell für die Fürther Defensive, sodass Johannes Eggestein komplett und zentral zum Abschluss kommen konnte, den Ball aber genau in Jonas Urbigs Arme schoss (16.).

Anschließend ging das Privatduell "Urbig gegen Eggenstein" weiter, doch auch die nächsten zwei Runden gewann der junge Fürther Torhüter. Das Kleeblatt versuchte es derweil fast nur mit langen Bällen, Gefahr entstand so aber nicht. Nach einer halben Stunde geschah dann das, was passieren musste - und längst hochverdient war: Einen Schuss von Philipp Treu ließ Urbig zur Seite klatschen, sodass Elias Saad den Ball zum 1:0 über die Linie drücken konnte. Direkt danach flog ein Böller von der Gegengerade auf den Rasen, doch auch die etwas längere Pause half den schwachen Gästen nicht.

In der 33. Minute ging es schon wieder viel zu schnell für die Fürther, am Ende fälschte Gideon Jung, der kurzzeitig links in die Dreierkette gerückt war, einen Schuss von Afolayan so ab, sodass der sich genau unter die Latte ins Netz senkte: 2:0 für Sankt Pauli. Direkt danach reagierte Zorniger und nahm Lukas Petkov vom Platz - dessen Platz auf der linken Seite übernahm Oussama Haddadi. Kurz vor der Pause wurde das Kleeblatt besser, zunächst drosch Hrgota den Ball aber fast über die Nordtribüne des Millerntors. Dann aber fand Lemperle Armindo Sieb, der Karol Mets aussteigen ließ und aus 16 Metern flach zum 1:2 traf (44.).

Der Treffer veränderte alles. In der Kabine verwandelte sich das Kleeblatt wieder in die Mannschaft, die sieben der letzten neun Spiele gewonnen hatte. Nach einer starken Fürther Anfangsphase verstummte das Millerntor mit jeder Minute ein bisschen mehr - in der 59. Minute belohnten sich die Gäste und glichen aus. Asta legte an der Seitenlinie zu Hrgota, der mit einem Pass drei Hamburger aus dem Spiel nahm und Asta in den Strafraum schickte. Der Außenverteidiger ging volles Risiko und drosch den Ball sehenswert zum 2:2 ins Tor.

Vier Minuten später versuchte es Hrgota mit rechts, verfehlte das Ziel aber deutlich. Das Stadion versuchte nun vehement, seine Mannschaft aufzuwecken, doch abgesehen von einem Abschluss von Philipp Treu (67.) gelang dem FCSP offensiv nur noch wenig. Alexander Zorniger sah, dass noch mehr als dieses 2:2 möglich war und wechselte in der 68. Minute doppelt: Für Lemperle und Michalski kamen Dennis Srbeny und Marco Meyerhöfer, was zur Folge hatte, dass Haddadi links in die Innenverteidigung rückte und fortan neben Jung und Dietz verteidigte.

Doch in der Schlussphase wurde der Tabellenführer wieder besser (und die Fürther passiver), was sich neun Minuten vor dem Ende rächte: Haddadi schenkte den Ball im Spielaufbau mit einem seltsamen Ball her, Kemlein fand den starken Saad, Haddadi hob das Abseits auf, weshalb der Hamburger Angreifer zum 3:2 treffen konnte. Von diesem Schock erholten sich die Gäste nicht mehr. Trotz der Einwechslungen von Leander Popp und Jomaine Consbruch ging offensiv nicht mehr viel, stattdessen hatte der FCSP die besseren Chancen - und durfte um 14.56 Uhr jubeln. Der Spitzenreiter hat jetzt sieben Punkte Vorsprung auf das Kleeblatt.

Freude über das 2:2: Armindo Sieb und Simon Asta bejubeln den Ausgleich.

Freude über das 2:2: Armindo Sieb und Simon Asta bejubeln den Ausgleich. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

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