26:28 beim Aufsteiger

Bittere Weihnachten: Der HCE verliert in Eisenach

Andreas Pöllinger

Sport-Redaktion

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23.12.2023, 20:51 Uhr
Heber ja, obenauf nein: Der HC Erlangen von Mads-Peter Lönborg hat im letzten Spiel des Handball-Jahres das Nachsehen. 

© IMAGO/christian heilwagen Heber ja, obenauf nein: Der HC Erlangen von Mads-Peter Lönborg hat im letzten Spiel des Handball-Jahres das Nachsehen. 

Einem normalen Tabellenvorletzten, das sagte vor dem Spiel auch Simon Jeppsson, begegnete der HCE kurz vor Heiligabend in Eisenach nicht. Der dort ansässige Thüringer Sportverein hatte als Aufsteiger zuletzt mit Siegen in Mannheim und gegen Leipzig aufgewartet. Und wies vor der vorweihnachtlichen Verabredung mit dem fränkischen Handball-Bundesligisten nur zwei Zähler Rückstand auf Erlangen auf. Nach einer aus HCE-Sicht am Ende wenig festlichen Partie war der Rückstand aufgeholt. Das 26:28 (14:15) raubt dem Team von Hartmut Mayerhoffer vor der nun anstehenden Winter-und-EM-Pause jegliche Ruhekissen.

Wem man in der Werner-Aßmann-Halle Stoppschilder setzen musste, wusste der HCE. Manuel Zehnder, den man Eisenach im Sommer zur Weiterentwicklung übergeben hatte, galt es aus Gäste-Sicht aufzuhalten. Noch besser: gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen.

Gelungen war das auch Erlangens Erstliga-Konkurrenz bislang nicht. Unter Misha Kaufmann, dem ThSV-Coach aus der Schweiz, scheint für den Schweizer Spielmacher, den Kaufmann beim HSC Suhr-Aarau bereits in der C-Jugend trainierte, im Schatten der Wartburg stets die Sonne. 137 Tore und damit die zweitmeisten in der Bundesliga blitzten also da auf bei einem blendenden Zehnder, dessen Handlungsschnelligkeit und Variabilität im Abschluss Erlangens Vorzeigeverein in der Vorsaison nur in Ansätzen weitergeholfen hatten. 14 Tore hatte der 24-Jährige vor dem Wiedersehen mit dem HCE zuletzt erzielt und damit den 27:26-Sensationserfolg bei den Rhein-Neckar Löwen sichergestellt. Mehr Vorwarnung ging nicht. Es half freilich kaum etwas.

Olsson vertritt sich - Zechel netzt

Nach nicht einmal eineinhalb Minuten musste man sich beim HCE allerdings aus einem anderen Grund Sorgen machen. Hampus Olsson, der angesichts der gewohnt offensiven Eisenacher Abwehr weit nach links ausgewichen war, hatte sich unter Bedrängnis beim Wurf vertreten und umgehend danach ans rechte Knie gefasst. Für Erlangens Rechtsaußen war die Partie zunächst vorbei. Für die Teamkollegen begann sie nach Jeppssons gekonntem Zuspiel und Bissels humorlosem Abschluss mit einer Führung. Der HCE machte in Eisenach auch danach einen in der Abwehr als auch im Angriff geradlinigen und konzentrierten Eindruck. Weil die Anspiele an den Kreis funktionierten, hieß es nach einem Zechel-Treffer 2:1.

Nachdem sich Stephan Seitz auf der Rechtsaußen-Position bei einem Gegenstoß erfolgreich eingeführt hatte, verpasste es Erlangen allerdings, seine Führung weiter auszubauen. Die Thüringer erkannten den Drehmoment in der stimmungsvollen Halle schnell. Als Justin Kurch, wie Zehnder vom HCE an den Aufsteiger ausgeliehen, getroffen hatte, waren die Hausherren mit 8:6 in Front (16.).

Immerhin aber? War Hampus Olsson inzwischen zurück und Tim Zechel weiterhin in Torlaune. Ein Gegenstoßtor von EM-Fahrer Christoph Steinert bedeutete wenig später den Ausgleich. Während Keeper Obling beim HCE im ersten Durchgang kein Faktor war, war es Manuel Zehnder natürlich auf der Gegenseite. Der Mittelmann, der wie gewohnt Eisenachs Bester war, hatte beim Stand von 9:8 für ThSV bei vier Versuchen vier Tore erzielt.

Einem in dieser Phase beharrlich netzendem Nico Büdel war es zu verdanken, dass die Gäste darauf Antworten hatten. Pfostenglück und Mads-Peter Lönborg ermöglichten das 12:11 für diese. Zechel verpasste kurz darauf eine Zwei-Tore-Führung, glich aber zum 13:13 aus, ehe Bissel Erlangens vierzehnten Treffer markierte. Eine Pausenführung wäre für einen ausbalanciert auftretenden HCE möglich gewesen. Manuel Zehnders siebtes Tor im ersten Durchgang organisierte jedoch den Gastgebern einen knappen Vorsprung beim Kabinengang.

Aus den Kabinen kamen die Kontrahenten fahrig, was zunächst einmal ein Jepsson-Anspiel auf Zechel und das 15:15 änderte (33.). Der HCE verteidigte besonders auch in Person seines zentralen Torjägers gut und aufmerksam. Tore hatten hüben wie drüben nun Seltenheitswert. Ferlin, der zwischen Erlangens Pfosten übernommen hatte, parierte Zehnders Siebenmeter. Weil auch Mävers vom Strich scheiterte, hieß es nach Kurchs Glückstor in der 40. Minute gleichwohl 17:15 für Eisenach. Die offensive und entschlossen zupackende Abwehr und die Wucht der Werner-Aßmann-Halle machten es dem HCE in der Folge schwer. Im Angriff glückte Erlangen kaum noch was. Steinerts schön herausgespielter Treffer zum 17:19 war umso wichtiger. Nach einer Dreiviertelstunde bewerkstelligte der Nationalspieler vom Strich den Anschluss.

Erlangen war dem Ausgleich nahe. Doch Ferlin und Link warfen aus weiter Distanz am leeren Tor vorbei. Das Spiel in Thüringen wurde immer mehr zu einem Thriller, in dem Steinert aus sieben Metern nun gleich zweimal hintereinander die Nerven behielt. Umkämpft war in der Beschreibung der Partie jetzt untertrieben. Olsson traf ins kurze Eck, Steinert erneut vom Strich zum 22:23 (52.). Einen weiterer Steinert-Siebenmeter später hatte der HCE ausgeglichen. Zechel traf weiter, Zehnder aus Erlanger Sicht leider auch.

Der HCE verteidigte, Ferlin parierte, Snajder hatte beim Siebenmeter Pfostenglück und nutzte den Abpraller zum 26:25 für Eisenach (58.). Ferlin und Eisenacher Pfostenpech verschoben beim nächsten Siebenmeter die Entscheidung. Aus dem Spiel heraus besorgte sie Manuel Zehnder wenig mit seinem letzten Treffer.

HC Erlangen: Obling, Ferlin; Steinert 8/5, Zechel 6, Büdel 3, Olsson 3, Bissel 2, Guardiola 1, Lönborg 1, Seitz 1, Jeppsson 1.

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