2:3 gegen Iserlohn

Serie gerissen: Warum es trotzdem ein besonderer Nachmittag für die Ice Tigers war

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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6.11.2022, 19:00 Uhr
Es jubelt: Chris Brown, ewiger Texaner, ehemaliger Nürnberger. 

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa Es jubelt: Chris Brown, ewiger Texaner, ehemaliger Nürnberger. 

Zum Vergnügen eines dauerkartenlosen Nürnberger Eishockey-Fans zählte einst die halbe Stunde Anstehen auf dem Gehweg der Äußeren Bayreuther-Straße, um auch noch mit ins Linde-Stadion zu dürfen. Mit dem Umzug an den Kurt-Leucht-Weg und der zunehmenden Digitalisierung des Ticketwesens aber wurden lange Schlangen vor dem Kassenhäuschen allmählich Geschichte. Bis zu diesem Sonntagnachmittag. Nach einem offenbar wenig erquicklichen Fußball-Nachmittag im Max-Morlock-Stadion entschieden sich Fans des 1. FC Nürnberg spontan für einen Besuch beim Nachbarn. Auch das war keine gute Idee.

Zumindest zwei Drittel sahen 3658 Zuschauer kein gutes Spiel der Ice Tigers. Beim 2:3 (1:1, 0:2, 0:0) dominierten die Nürnberger erst im Schlussdrittel nach Belieben, gegen leidenschaftlich verteidigende Iserlohn Roosters aber war das zu wenig, um die kleine Siegesserie auszubauen.

Im Bus aus Iserlohn saß ein halbes Dutzend Männer, die alle eine Verbindung nach Nürnberg hatten. Sven Ziegler stammt aus Nürnberg, Chris Brown, Andreas Jenike und Tim Bender spielten lange für die Ice Tigers, Eugen Alanov, Eric Cornal und John Broda eher kürzer. Und Greg Poss arbeitete zwei Jahre erfolgreich als Trainer in der Arena. Dass sich zumindest Bender und Brown dieses Spiel im üppigen DEL-Kalender angekreuzt hatten, zeigte sich nach dem Eröffnungsbully immer wieder. Zum ersten Mal, als die Ice Tigers in der ersten Werbepause auf dem Videowürfel eine Bewegtbild-Collage einspielten, um sich bei dem charismatischen Verteidiger und dem leidenschaftlichen Texaner zu bedanken. Zumindest Brown reagierte gerührt, versuchte das aber durch ausdauerndes Spucken zu überspielen. Typisch Cowboy.

Kleine Box-Einlage

Es zeigte sich aber auch in der Spielweise der Gästemannschaft. Die Rooster empfingen die Ice Tigers immer wieder tief im eigenen Drittel und erwiesen sich in den Zweikämpfen immer wieder als zäh. Der eher glückliche Führungstreffer half dabei, den Gastgebern nach drei Siegen in Serie den Schwung zu nehmen. Julius Karrer lenkte einen ungefährlichen Schuss von Erik Buschmann an Niklas Treutle vorbei ins eigene Tor ab (8.). Weil aber Dane Fox im Power-Play von einem Stellungsfehler und einem feinen Pass von Blake Parlett profitierte (12.) schien Nürnberg schnell wieder zu einem Spiel zu finden.

Iserlohn aber blieb hartnäckig, personifiziert durch Chris Brown, der im Power-Play erkannte, dass der Puck unter Treutle von hinten durch die Schoner des Torhüters glitt. Brown setzte nach und jubelte besonders begeistert (27.). Und nachdem sich die Ice Tigers lange und erfolglos im Drittel der Roosters festgesetzt hatten, schob auch der gebürtige Nürnberger Sven Ziegler den Puck nach einem Abpraller ins Tor. Eine Faustkampfeinlage zwischen Andrew Bodnarchuk und Lean Bergmann änderte nichts an den Kräfteverhältnissen. Iserlohn arbeitete einfach härter.

Furiose Schlussphase

Nach dem zweiten Wechsel zeigte sich, warum sich Poss gegen Andreas Jenike und für Hannibal Weitzmann entschieden hatte. Plötzlich erspielten sich die Ice Tigers mühelos beste Schusschancen, Iserlohns eigentliche Nummer zwei reagierte aber stets ungerührt - bis Oliver Mebus und Marcus Weber lange kreiselten, um Roman Kechter einen ganz besonderen Moment zu ermöglichen. Im Fallen brachte der 18-Jährige die Scheibe unter dem vergeblich hechtenden Weitzmann unter. Am 6. November um 18.21 Uhr schoss der gebürtige Nürnberger sein erstes Tor in der DEL.

Die Schlussminuten waren nicht weniger als furios, Treutle verließ das Eis, mehrmals verhinderten die Ice Tigers den entscheidenden Treffer, scheiterten aber bis in die Schlusssekunde daran, den Puck noch einmal im Tor unterzubringen.

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