Erleichterter Trainer

Drei Punkte und ein Raclette machen das Kleeblatt glücklich

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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21.9.2022, 05:55 Uhr
So sieht er also glücklich aus: Marc Schneider nach dem Spiel gegen Paderborn.

© Sportfoto Zink / Melanie Zink, Sportfoto Zink / Melanie Zink So sieht er also glücklich aus: Marc Schneider nach dem Spiel gegen Paderborn.

Neun Zweitliga-Spieltage lang hat Marc Schneider jetzt dem mittelfränkischen Publikum erklären müssen, warum alles so traurig ist und was denn da gerade wieder schief gegangen war bei seiner Mannschaft, die seit dem Sommer die Spielvereinigung Greuther Fürth ist. Neun Liga-Spieltage und einen Pokalspielabend lang hat Schneider das mehr oder weniger gefasst und ruhig auch hinbekommen.

Mitunter wird er sich aber schon gefragt haben, ob das alles jetzt noch viel mit auch nur dem geringsten Grad an Job-Zufriedenheit zu tun hat, wenn man Spieltag für Spieltag Unentschieden, Niederlagen und diverse Unzulänglichkeiten erklären muss. Am Sonntag hat der freundliche Schneider dann endlich einmal auch freundliche Fragen beantworten dürfen - und noch freundlichere Antworten gegeben.

Schneider will ja in der Region heimisch werden, seine Familie ist aus der Schweiz mit nach Deutschland gekommen, die Kinder gehen neuerdings hier zur Schule. Bis zum Abpfiff der Partie gegen den SC Paderborn, bis zu diesem 2:1-Sieg, den sie im Ronhof alle gemeinsam und mit ehrlicher Inbrunst gefeiert haben, hat er aber damit rechnen müssen, dass er vielleicht schon in dieser Woche die Kinder wieder abmelden und die Umzugskartons schon wieder einpacken muss. Muss er jetzt nicht, Schneider bleibt Fürther und es war ihm nach dem Spiel anzuhören, dass ihn das trotz aller Widrigkeiten in den letzten Wochen freut.

Er hat jetzt nicht mehr erklären müssen, was gerade schief gegangen war. Er durfte erklären, warum es denn diesmal gut war gegen den Tabellenführer aus Paderborn. Ob er persönlich vielleicht etwas anders gemacht hatte am Morgen vor dem Spiel, wurde Schneider also gefragt. "Nicht, dass ich wüsste", sagte Schneider. Nächste freundliche Frage: Sie sind also nicht abergläubisch, Herr Schneider? Man kennt ja diese Sieges-Pullis oder Sieges-Schnürsenkelbindeaktionen aus der Geschichte des deutschen Fußballs.

Aberglaube ist anstrengend

Gab es bei ihm schon auch, sagte Schneider: "Als Spieler war es schlimm, immer der linke Schuh zuerst. Du glaubst irgendwann daran, vor allem, wenn es läuft. Wenn es nicht läuft, machst du tausend Veränderungen." Er hätte in Fürth in den vergangenen Wochen vielleicht nochmal drei Veränderungen mehr machen müssen als die tausend, weil es ja hinten und vorne nicht lief. Aber Schneider glaubt, dass er seinen Aberglauben besiegt hat.

"Mit dem Aberglauben habe ich aufgehört, das ist unheimlich anstrengend. Zu wissen, welche Socken du wann anhattest oder welche Hosen, welche Pullover", sagte Schneider noch und schmunzelte. Auf der Suche nach tatsächlichen Gründen für den überraschenden Erfolg wurde Schneider dann noch abseits seines Kleiderschranks fündig. Die Ersatzbank, sagte er, habe ihm besonders gut gefallen an diesem Nachmittag. Das klang nur im ersten Moment ein wenig seltsam, weil die Ersatzbank und die Spieler, die auf ihr sitzen, ja eher Nebenrollen spielen an so einem Fußballnachmittag.

Die Energie der Bank

Aber Schneider meinte zum einen die positive Energie, die von dort gekommen war, und zum anderen die Hilfe, die die Ersatzspieler dann auf dem Platz waren, als die anderen Helden müde wurden. "Wenn du die Qualität auf der Bank hast, muss du sie auch ausnützen", sagte Schneider, verband das aber gleich wieder mit einer Einschränkung, als er über seine personellen Wechsel sprach: "Manchmal ist es zu früh, manchmal ist es zu spät - da ist auch viel Glück dabei." Glück, das sie diesmal hatten, weshalb - noch eine freundliche Frage - Schneider in seine Abendgestaltung Einblick gewährte: "Ein Glas Wein wird es sicherlich geben, dann ein Raclette - und dann sind alle happy."

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