Allein 156 Fälle in der Oberpfalz

Sexueller Missbrauch von Kindern geschieht oft in der Familie

hoe

27.12.2021, 13:35 Uhr
Die Täter sichern sich das Schweigen ihrer Opfer, indem sie auf die Kinder einwirken oder sogar bedrohen. Kinder trauen sich dadurch häufig nicht, über die Missbrauchshandlungen zu reden und sich Hilfe zu holen.

© imago images/Shotshop, NN Die Täter sichern sich das Schweigen ihrer Opfer, indem sie auf die Kinder einwirken oder sogar bedrohen. Kinder trauen sich dadurch häufig nicht, über die Missbrauchshandlungen zu reden und sich Hilfe zu holen.

Jedes Jahr gedenkt die Kirche am 28. Dezember jener Kinder, die wegen der Machtgier des König Herodes im 1./2. Jahr nach Christi Geburt ihr Leben lassen mussten. Den „Tag der unschuldigen Kinder“ nimmt die Polizei zum Anlass, um auf das Thema Sexueller Missbrauch von Kindern hinzuweisen und um Verhaltenstipps bei Verdachtsfällen sowie zur Prävention zu geben.

Sexueller Missbrauch von Kindern ist eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Demnach macht sich ein Erwachsener oder auch Jugendlicher zwischen 14 und 18 Jahren strafbar, wenn er sexuelle Handlungen an einem Kind unter 14 Jahren vornimmt oder von einem Kind an sich vornehmen lässt. Auch das Zeigen oder gemeinsame Betrachten pornografischer Bilder oder das Entblößen von Geschlechtsteilen sind Missbrauchshandlungen.

Sexuelle Handlungen an oder mit Kindern sind immer strafbar

Das Strafrecht schützt die ungestörte Entwicklung der sexuellen Selbstbestimmung. Es existiert eine Vielzahl einzelner Straftatbestände, die je nach Art der sexuellen Gewalt oder der Beziehung zwischen Täter und Opfer in entsprechenden Rechtsvorschriften erfasst sind. Im Jahr 2021 wurde der Strafrahmen zu sexuellem Missbrauch erhöht und zu einem Verbrechenstatbestand mit einem Strafmaß von einem Jahr bis zu fünfzehn Jahren Freiheitsstrafe hochgestuft.

Kinderpornografie umfasst alle pornografischen Schriften, in denen sexuelle Handlungen mit Kindern gezeigt oder geschildert werden. Hierzu gehören beispielsweise Videos und Bilder.

Auch Säuglinge und Kleinkinder sind sexueller Gewalt ausgesetzt

Auch die Verbreitung, der Erwerb und der Besitz von Kinderpornografie wurden 2021 zu einem Verbrechenstatbestand klassifiziert. Hier droht eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren bei Besitz/ sich Besitz verschaffen und sogar bis zu zehn Jahren bei Verbreitung von Kinderpornographie.

Eine Kriminaloberkommissarin sitzt in einem Büro vor einem Auswertungscomputer auf der Suche nach Kinderpornografie und Fällen von sexuellem Missbrauch. 

Eine Kriminaloberkommissarin sitzt in einem Büro vor einem Auswertungscomputer auf der Suche nach Kinderpornografie und Fällen von sexuellem Missbrauch.  © Arne Dedert, dpa

Die meisten Kinder sind zum Zeitpunkt des Missbrauchs zwischen sechs und dreizehn Jahre alt, jedoch sind auch Säuglinge und Kleinkinder immer wieder sexueller Gewalt ausgesetzt.

Grundsätzlich gibt es keinen speziellen Opfertyp. Es scheinen aber Kinder gefährdet zu sein, die aufgrund einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung weniger Selbstschutz aufweisen oder sich nicht richtig mitteilen können. Auch Kinder die von ihren erwachsenen Bezugspersonen nur wenig emotionalen Rückhalt erhalten, können eher Opfer sexueller Gewalt werden.

Die meisten Täter sind Verwandte oder Bekannte

Täter sexuellen Missbrauchs kommen aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten. Sie erschleichen sich oft das Vertrauen der Kinder und nutzen ein ungleiches Machtverhältnis aus. Selten sind es fremde Täter. Meist stammen sie aus dem sozialen Nahraum und viele Taten spielen sich in den eigenen vier Wänden ab. Nicht nur Männer begehen diese Taten, auch Frauen, Jugendliche und Kinder können anderen sexuelle Gewalt antun.


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Die Arten der Taten reichen von verbalen Belästigungen und Berührungen bis hin zu brutalen Vergewaltigungen. Die Täter sichern sich das Schweigen ihrer Opfer, indem sie auf die Kinder einwirken oder sogar bedrohen. Kinder trauen sich dadurch häufig nicht, über die Missbrauchshandlungen zu reden und sich Hilfe zu holen. Leider muss deswegen von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Es gibt eine hohe Dunkelziffer

Die vorliegende Statistik ist aus diesem Grund auch nur begrenzt aussagefähig. Die bundesweiten Zahlen im Hellfeld weisen im Jahr 2020 insgesamt 14.594 Taten sexuellen Missbrauchs auf, was eine Steigerung um 924 Taten zum Vorjahr bedeutet. In der Oberpfalz kam es im Jahr 2020 zu 156 Fällen sexuellen Missbrauchs von Kindern, während im Jahr 2019 die Zahl bei 104 bekannt gewordenen Fällen lag. Auch bei Kinderpornographie sind laut polizeilicher Kriminalstatistik oberpfalzweit die Zahlen von 146 Fällen im Jahr 2019 auf 247 Fälle im Jahr 2020 gestiegen.

Je enger das Verhältnis zum Täter, umso schwieriger ist es für das Kind, auf den Missbrauch aufmerksam zu machen. Kinder haben keine Lobby und brauchen unbedingt die Hilfe von Erwachsenen, um sich von den Missbrauchshandlungen zu befreien. "Wir alle haben die Verpflichtung zum Hinsehen und Einschreiten bei Verdachtsfällen", so die Polizei.

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