Orientalisches Ambiente

Food-Trend aus Nahost: Das "Levantine" in der Lorenzer Altstadt

Gregor Grosse

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5.1.2022, 11:51 Uhr
John Schwarze (links) und Suat Sekmen sind ein eingespieltes Team, sie lernten sich bereits während des Studiums in Wien kennen und betrieben vor der Eröffnung ihres Restaurants in Nürnberg gemeinsam das Levantine in Erlangen.

John Schwarze (links) und Suat Sekmen sind ein eingespieltes Team, sie lernten sich bereits während des Studiums in Wien kennen und betrieben vor der Eröffnung ihres Restaurants in Nürnberg gemeinsam das Levantine in Erlangen. © Stefan Hippel

Das orientalische, länderübergreifende Ambiente im Restaurant Levantine sticht sofort ins Auge: Bunte Kissen und Teller aus der Türkei, Bilder aus dem Libanon, Artefakte aus Israel und Fliesen aus Marokko. "Wir haben versucht, möglichst viele Kulturen abzubilden", sagt John Schwarze.

Der 42-Jährige ist der Geschäftsführer des Betriebs. Seit Mitte Dezember hat das Restaurant in der Schottengasse in Nürnbergs Lorenzer Altstadt geöffnet. Es bietet mit der levantinischen Küche ein besonderes Gastronomie-Erlebnis, das man in der Stadt sonst nur noch im Restaurant Tel Aviv-Jaffa – seit zehn Jahren in der Spohrstraße – findet und seit kurzem im Restaurant Levi im neuen Leonardo Royal-Hotel.

In einem typischen Fachwerkhaus in der Altstadt – zwischen Bratwurstladen auf der einen und japanischem Restaurant auf der anderen Seite – setzt das Levantine auf einen Food-Trend aus Nahost. Levante ist die historische Beschreibung für eine Region am östlichen Mittelmeer: Palästina, Syrien, der Libanon, Israel, die Türkei und Zypern gehören unter anderem dazu. "Levante ist auch eine Mischung von Kulturen, und die levantinische Küche nimmt aus all diesen Ländern etwas mit", erklärt Suat Sekmen, Mitarbeiter und Koch des Restaurants Levantine. "Wir achten darauf, dass sich die verschiedenen Regionen in einem ausgeglichenen Verhältnis auf der Speisekarte wiederfinden."

Eine Welt der Aromen

Charakteristisch für die levantinische Küche ist der aromatische Geschmack. Neben vielen Gewürzen und Kräuter werden auch starke orientalische Akzente gesetzt. Kümmel, Minze, schwarzer Pfeffer, getrockneter Basilikum oder Chili geben den Gerichten ihre besondere Intensität. "Außerdem legen wir großen Wert auf regionale und frische Zutaten", sagt Schwarze, "wir kaufen weniger ein, dafür aber jeden Tag." Tiefgefrorene Ingredenzien hätten bei levantinischem Essen nichts verloren.

Schwarze und Sekmen sind ein eingespieltes Team. Vor 20 Jahren haben sie sich an der Universität in Wien während des BWL-Studiums kennengelernt. Aufgewachsen sind sie in Mittelfranken. Die beiden bezeichnen sich als leidenschaftliche Köche und nehmen viel Erfahrung aus der orientalischen Küche mit. Bis vor kurzem haben sie noch ein Restaurant unter dem gleichen Namen in Erlangen betrieben. Die Pandemie und die hohe Miete zwang dazu, den Standort des Levantine nach Nürnberg zu verlegen. "Das war eine harte Zeit", erzählt Schwarze, "aber wir haben weitergekämpft."

Vier Monate mietfrei

Nur durch Zufall sind die beiden auf ihre jetzige Location gestoßen. "Die Vermieterin ist uns wirklich sehr entgegengekommen und hat uns so erst alles ermöglicht", sagt Schwarze. Für die ersten vier Monate sind die Gastronomen von der Miete befreit. "Das bedeutet für uns unglaublich viel."

Die Vorspeisen – die sogenannten Meze – werden in levantinischen Restaurants traditionell zusammen gegessen, jeder kann damit vieles versuchen.

Die Vorspeisen – die sogenannten Meze – werden in levantinischen Restaurants traditionell zusammen gegessen, jeder kann damit vieles versuchen. © Stefan Hippel

Das Konzept aus Erlangen haben Schwarze und Sekmen mit nach Nürnberg genommen. Die Vorspeise, die in der Levante "Meze" heißt, nimmt einen hohen Stellenwert in ihrem Restaurant ein. Auf den Tisch kommt eine bunte Auswahl aus vielen kleinen Gerichten: Handgemachte Zucchini-Puffer, Paprika-Crème mit gerösteten Walnusskernen oder pürierte Kichererbsen mit Kartoffeln, Zwiebeln und Sesamöl sind nur eine kleine Auswahl aus der Speisekarte.

Vielfalt für Veganer

Anders als in der deutschen Esskultur bestellt nicht jeder für sich allein. "Die Meze ist ein Gemeinschaftsessen, das untereinander geteilt wird – das gehört zur Kultur dazu", sagt Sekmen. Daher kommt es auch vor, dass man mehrere Stunden bei der Vorspeise verbringt. "Das ist Essen zum Genießen", so Schwarze.

Das Levantine bietet neben Fleischoptionen wie in Butter geschmortes Hähnchen oder traditionellen Hackfleischgerichten auch viele vegetarische und vegane Hauptspeisen an. So lassen Okraschoten in Tomatensoße, grüner Bohneneintopf mit orientalischem Reis und gebratenes Gemüse mit Hummus das vegane Herz höherschlagen. "Wir sind sehr beliebt bei Veganern", sagt Schwarze.

Sein Geschäftspartner Sekmen ergänzt: "Wir haben für jeden etwas da – es ist auch möglich, sich sein Menü, je nach Wunsch, individuell zusammenzustellen." Zum levantinischen Essen gehört typischerweise der Hauswein aus Anatolien oder ein Glas Raki, ein türkischer Anis-Likör, der als Aperitif oder verdünnt mit Wasser und Eis getrunken wird.

Die levantinische Küche müsse man beherrschen, betont Schwarze: "Das kannst du nicht einfach kopieren, dafür können wir zum Beispiel kein deutsches Essen kochen".

Trotzdem sei es schwer unter den aktuellen Corona-Auflagen, ein neues Restaurant in Nürnberg zu eröffnen. "Wäre die Vermieterin nicht auf unserer Seite, würde das nicht klappen." Dennoch schaut Schwarze optimistisch in Richtung Zukunft: "Ich bin ein positiver Mensch und ich bin überzeugt davon, dass wir die Nürnberger von unserem Essen begeistern können."

Mehr Informationen über die "Levantine" in unserer Rubrik Essen und Trinken!

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