0:2 nach 33 Minuten

Vor den Augen des neuen Trainers: Schwaches Kleeblatt verliert 1:3 in Heidenheim

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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23.10.2022, 15:22 Uhr
Nicht zu fassen: Das Kleeblatt um Damian Michalski kassierte in Heidenheim drei Tore und verlor verdient.

© Sportfoto Zink / Melanie Zink, Sportfoto Zink / Melanie Zink Nicht zu fassen: Das Kleeblatt um Damian Michalski kassierte in Heidenheim drei Tore und verlor verdient.

Das Albstadion hoch oben über Heidenheim wird für immer ein geschichtsträchtiger Ort des Fürther Fußballs sein. Vor vier Jahren stand die Spielvereinigung am Abgrund, mit einem Fuß über der Klippe, schaute in Richtung dritte Liga - und rettete sich dann gerade noch mit einem 1:1 am letzten Spieltag der Saison 2017/2018. Nach dem Schlusspfiff jubelten damals Fans, Spieler und Verantwortlichen lange auf dem Rasen, dass sie den Absturz gerade noch so verhindert hatten.

So schlimm wie damals steht es um die Spielvereinigung im Herbst 2022 noch nicht, kritisch ist die Lage des Kleeblatts aber trotzdem. Deshalb musste Trainer Marc Schneider vor einer Woche gehen - und fuhren die Fürther mit einem Interimstrainer-Duo nach Schwaben. Mit dem 1:3 (0:2) beim FCH rutscht das Kleeblatt allerdings noch tiefer in die Krise - und wegen der Siege von Bielefeld und Magdeburg auf den letzten Tabellenplatz der zweiten Bundesliga ab. Der neue Trainer Alexander Zorniger, der das Spiel live auf der Tribüne verfolgte, dürfte ahnen, wie groß und schwer seine Aufgabe wird.

Co-Trainer Rainer Widmayer hatte am Freitag angekündigt, an einigen "Stellschrauben drehen" zu wollen. Der erfahrene Assistent, der die repräsentativen Aufgaben übernahm, drehte dann allerdings nur an einer Stellschraube und setzte den zuletzt extrem unsicheren Torhüter Andreas Linde auf die Bank. Für ihn rückte Leon Schaffran zwischen die Pfosten, der dort beim bislang einzigen Fürther Saisonsieg, dem 2:1 gegen Paderborn, auch schon gestanden hatte.

Ansonsten beließ es Widmayer bei derselben Startelf wie beim 2:2 gegen Hansa Rostock vergangene Woche. Das Kleeblatt begann in einem 4-1-3-2 mit den drei Mittelfeldspielern Tobias Raschl, Timothy Tillman und Julian Green, wobei Raschl den tieferen Part gab und teilweise in einer Linie mit Sechser Max Christiansen spielte.

Alle guten Vorsätze der Fürther waren aber bereits nach neun Minuten dahin. Bei einer Ecke von Jan-Niklas Beste durfte Heidenheims Kapitän Patrick Mainka ziemlich ungestört in die Luft steigen und zum 1:0 einköpfen. Auch im 14. Pflichtspiel dieser Saison gelang es dem Kleeblatt also nicht, die Null zu halten. Kurz nach dem Führungstreffer zielte Christian Kühlwetter nur minimal zu weit nach links - sonst wäre das Spiel bereits nach zehn Minuten entschieden gewesen.

Abgesehen von einem Distanzschuss von Julian Green trat das Kleeblatt offensiv kaum in Erscheinung - und sah sich am anderen Ende des Feldes immer wieder großer Gefahr ausgesetzt. Nach einer weiteren Heidenheimer Ecke landete ein abgefälschter Schuss von Jonas Föhrenbach nur knapp über der Latte, beim nächsten Standard offenbarte Schaffran erneut Probleme bei der Strafraumbeherrschung, konnte eine Hereingabe nicht festhalten und hatte Glück, dass Michalski einen Kopfball von Tim Siersleben vor der Linie rettete.

In der Folge spielte das Kleeblatt zwar immer wieder nach vorne, probierte einiges, kam allerdings kaum in die Nähe des Heidenheimer Strafraums. Bei der besten Aktion nach gut einer halben Stunde schickte Raschl Simon Asta in die Tiefe, der im Sechzehner Ragnar Ache fand. Dessen Abschluss war allerdings kein Problem für Kevin Müller, der Fallrückzieher nach dem Abpraller flog deutlich über das Tor. Der Treffer hätte wegen einer Abseitsstellung aber ohnehin nicht gezählt.

Um kurz nach Zwei aber war das Spiel entschieden. Die Heidenheimer schickten Linksverteidiger Föhrenbach in die Tiefe, Asta kam nicht hinterher und konnte die Flanke so auch nicht verhindern. In der Mitte flog Sebastian Griesbeck unter der Hereingabe hindurch, sodass Tim Kleindienst frei zum Abschluss kam. Den ersten Schuss konnte Schaffran, der dabei etwas unglücklich aussah, noch parieren, beim zweiten aber war er machtlos. 0:2 nach 33 Minuten.

Im Gästeblock war die Wut groß, viele Fans bestiegen den Zaun schimpften, gestikulierten - sangen dann aber weiter. Trotz aller Konsternierung. Bis zur Pause fiel ihrer Mannschaft offensiv nichts mehr ein - sodass Rainer Widmayer sich zur Pause genötigt sah, an mehr Stellschrauben zu drehen. Der Interimstrainer nahm mit Julian Green und Timothy Tillman zwei "Führungsspieler" vom Feld und brachte mit Oussama Haddadi und Armindo Sieb zwei frische Spieler.

Zudem änderte das Kleeblatt seine Grundordnung. Haddadi bildete mit Michalski und Griesbeck eine Dreierkette, die beiden Außenverteidiger John und Asta schoben weiter nach vorne und bildeten im 3-4-3 das Mittelfeld vor der Dreier-Angriffsreihe aus Sieb, Ache und Kapitän Branimir Hrgota. Die Umstellung zeigte schnell Wirkung. Sieben Minuten nach Wiederanpfiff verlängerten Ache und dann Michalski einen Einwurf auf den zweiten Pfosten, wo die Heidenheimer Hrgota ziemlich frei ließen, sodass dieser genug Zeit hatte, den Ball per Direktabnahme links unten ins Tor zu setzen.

Nur noch 1:2. Und noch 40 Minuten zu spielen. Wer dachte, das Kleeblatt würde doch noch zurückkommen in dieses Spiel, der sah sich allerdings getäuscht. Zwei Minuten nach dem Anschlusstreffer sprang Tobias Raschl in der Mauer der Ball bei einem Freistoß von der Hüfte an die Hand, Schiedsrichter Robin Braun zögerte gar nicht lange und entschied auf Elfmeter. Auf der Tribüne wütete Rachid Azzouzi, weil er sein Kleeblatt erneut benachteiligt sah - und musste dann mitansehen, wie sich Heidenheims Beste den Ball schnappte und per Strafstoß zum 3:1 traf (54.).

Jegliche Hoffnung war wieder dahin. Armindo Sieb schoss nach gut einer Stunde knapp am linken Pfosten vorbei, Ragnar Ache kurz darauf über die Latte. Ansonsten ging offensiv nur wenig beim Kleeblatt, weshalb Widmayer 20 Minuten vor Schluss Jeremy Dudziak für Tobias Raschl brachte. Wirkliche Gefahr entfachten die Fürther aber auch danach nicht, der Heidenheimer Sieg geriet bis kurz vor Schluss nicht mehr wirklich in Gefahr.

In der 84. Minute wechselte das Kleeblatt nochmals doppelt, für Asta und Ache kamen Dickson Abiama - und Marco Meyerhöfer. Der Rechtsverteidiger kehrte damit knapp sieben Monate nach seinem Knöchelbruch beim Bundesliga-Auswärtsspiel in Frankfurt wieder auf den Platz zurück. Dort sah er, wie Sieb direkt in der nächsten Aktion aus knapp 16 Metern die Latte traf. Es sollte die letzte nennenswerte Offensivaktion des Kleeblatts bleiben, das wegen des überraschenden Sieges des 1. FC Magdeburg beim HSV auf den letzten Tabellenplatz abrutscht.

Alexander Zornigers erstes Spiel am kommenden Freitag zuhause gegen den Vorletzten Arminia Bielefeld wird deshalb ein extrem heikles - und durchaus richtungsweisendes.

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